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Digitalisierung unseres Lebens- die vierte industrielle Revolution

 

Utopie? Horrorvision oder unsere reale Zukunft?

Die erregte Diskussion im Anschluss an den Vortrag über die fortschreitende Digitalisierung unseres Lebens offenbarte die Zwiespältigkeit, die Ängste, die Zustimmung und auch die Vorbehalte, die dieser Entwicklung entgegengebracht werden.

Professor Alfred Moos, Mitglied des Partnerschaftsvereins hatte vor interessierten Hemsbachern - nicht nur Mitgliedern des Partnerschaftsvereins – darüber referiert.

Die Schlagworte „vierte industrielle Revolution bzw. Industrie 4.0" erläuterte er ausführlich anhand der Entwicklung der Menschheit seit Adam und Eva. Kaum aus dem Garten Eden vertrieben, musste der Mensch im Schweiße seines Angesichts sein Leben fristen. Viel später wurden die Jäger und Sammler zu sesshaften Bauern. Die wiederum nutzten nicht nur die eigene Körperkraft sondern nach der Erfindung des Rades auch die des Wassers und des Windes. Um 1750, entdeckten die Engländer die Kräfte des Wasserdampfs mit Hilfe von Holz und Kohle. Dies ermöglichte die erste Industrialisierung. Manufakturen wurden automatisiert, die Menschen strömten zur Arbeit in die Städte, die Landbevölkerung verarmte.

Ab 1900 bekam die Entwicklung einen neuen Schub: die Elektrizität. Nun gab es Dynamo und Automaten. Die nötige Energie für Fließfertigung und Massenproduktion war nun überall und jederzeit da, wo man sie brauchte.

Und die 3. Revolution folgte schon ab 1970 mit der Nutzung der Elektronik für die Computertechnik. Waren die Rechner noch riesengroß damals, so schrumpften sie stetig - „ein Smartphone etwa bringt heute mehr Leistung als die gesamte Technik für die Mondlandung“. Inzwischen sind wir mit „Industrie 4.0“ – laut Prof. Alfred Moos - bereits auf dem Weg zu einer technischen Optimierung, wie sie der Mensch nie garantieren könne.

Schnell, präzise, fehlerlos und Ressourcen schonend: Dezentral, von der Produktidee über den Auftrag, die Entwicklung, Fertigung und Auslieferung - einschließlich Buchhaltung, Dienstleistung, Werbung und Transport bis zum Recycling des Produkts, orientiert an den individuellen Kundenwünschen... Und alles in Echtzeit.. ist das nun großartig? Erschreckend?

Dass die Digitalisierung auch den Alltag beeinflusst, erlebe jeder schon fast unbewusst, sei es beim Mailen oder Chatten, in der Küche, in der Freizeit und Gesundheitswesen wie der Altenpflege. „Durch die Verschmelzung von Netzwerken ist jeder einzelne Netzteilnehmer dem Computersystem bekannt, und der hybride Mensch bereits denkbar“, so Moos.

Auf jeden Fall sei es höchste Zeit, sich darauf einzustellen. Das erfordere neben hohen Investitionen auch eine andere Qualifizierung der Mitarbeiter - in allen Bereichen verändere sich das Berufsbild, manche fielen weg, neue entstünden. Auch die Freizeit bekomme einen neuen Sinn. Die Schulen müssten dringend auf diese Herausforderung reagieren. „ Bildung heißt heute: programmieren können“

Die Fragen und Statements der Hörer zeigten, dass die digitale Zukunft auf weit mehr Vorbehalte als freudige Zustimmung stiess. Dennoch warnte Moos davor, sich von der berüchtigten „german Angst“ lähmen zu lassen. Die eigentliche Gefahr sei neben einem möglichen Hackerangriff die totale Überwachung und Manipulation unseres Lebens. Da sei jeder - und auch der Staat - gefordert, wachsam zu sein und gegenzusteuern. (juri)

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